Der Kürbiskern
"Es war einmal ein Kürbiskern,
der war so klein und wollte gern
ganz groß mal sein und schön gebaut,
doch hatte er sich nicht getraut.
Ich bin so klein, die Welt so groß,
bin auch so schwach, was mach ich bloß?
Denn fang ich erst zu wachsen an,
obwohl ich das ja gar nicht kann,
dann seh' ich jetzt schon was geschieht:
Kaum dass die erste Blüte blüht
hat mich der Sturm zerfetzt, zerrissen,
oder ein Rindvieh abgebissen.
Die Sonne und die Trockenheit
versengt mein grünes Blätterkleid,
oder große Regenmassen
mich sogar ersaufen lassen.
Ich habe Angst und sag es ehrlich:
Das Leben ist mir zu gefährlich!
Das hörte eines Tag's die Eule.
Sie schimpfte: Schluss mit dem Geheule!
Alles, was du brauchst im Leben
ist in dir, ist dir mitgegeben.
Nun halte endlich deinen Mund,
du jammerst völlig ohne Grund,
womit dein Umfeld du vergraulst.
Fang endlich an, bevor du faulst.
Der Kürbiskern war eingeschüchtert
in gewisser Weise auch ernüchtert,
und mit einem leisen Grollen
wuchs er, ohne recht zu wollen.
Später hat er es genossen:
Die ersten Triebe, erste Sprossen,
wie sich Blatt für Blatt entfaltet
und die Pflanze sich gestaltet.
Wie Blüte sich an Blüte reiht
und die Kürbisfrucht gedeiht.
Viele runde Kürbisbälle
liegen nun an dieser Stelle
wo einst ein zartes Pflänzchen war.
Im wahrsten Sinne wunderbar!
Ja wie ist das Leben schön,
alle Welt soll mich jetzt seh'n,
freute sich der Kürbis sehr.
Da gab's den Kürbiskern nicht mehr."